Vorwort
Von Francesc Hervada-Sala.
Diesen Artikeln tut — um es mit Nietzsche und Wittgenstein auszudrücken — nicht nur ein Vorwort not, denn nur derjenige, der selbst bereits etwas ähnliches gedacht hat, wird damit auch etwas anfangen können. Es geht um alles, und zwar als eins. Es geht um die Komplexität der heutigen Welt und wie wir sie meistern können, um die Zerstreutheit unseren Wissens und wie wir es integrieren können. Hier werden nicht die vielfachen Probleme erörtert — diese muss der Leser mitbringen —, sondern deren einheitliche Lösung skizziert. Hier wird keine neue ausgeklugelte Theorie, sondern ein einziges Prinzip aufgestellt. Ein Prinzip, das nichts neues entdeckt und doch eine neue Welt aufmacht. Es geht um Sprache und um Vernunft, um das λόγος der Griechen und das animal rationale der Römer. Oder, um es mit dem hiesigen Wort zu bennenen: Es geht um Text.
Dass die Sprache das unterscheidende Merkmal des Menschen ist, hat man schon früh erkannt. Die Grammatik der Sprache untersucht man bereits seit der Antike, so wie die Algebra auch. Das Mittelalter brachte die Universitäten und die systematische Sammlung von Wissen hervor. In der Neuzeit entstand die moderne Naturwissenschaft und im letzten Jahrhundert die Computertechnik. Dies alle sind keine voneinander unabhängige Phänomene: Die Grammatik kann man mit algebraischen Mitteln ausdrücken, Wissen wird sprachlich erschlossen und überliefert, dessen systematische Darstellung in der Wissenschaft vermengt mathematische mit natürlicher Sprache und neulich auch mit Computeralgorithmen. Überall sind dieselben Formen zu erkennen, deren Inbegriff die sogenannte Logik darstellt. Wenn man den Text als ein symbolisches Gebilde definiert und man es nicht scheut, eine algebraische Definition dessen zu wagen und sie durchgängig in allen Gebieten einzusetzen, wie wir es hier tun, so sieht man alles mit neuen Augen — man erkennt, dass dies zwar in der Wirkung verschiedene Phänomene sind, in der Sache aber nur eins. Auf einmal erscheinen Worte wie Organisation, System, Struktur, Theorie, Gesetz, Logik oder Vernunft unter neuem Licht: Allen gesellschaftlichen Kleidern entzogen wirken sie als bloße Ausformungen des Umgangs mit Texten. Denn nicht umsonst ist der Mensch das sprachbegabte Wesen: Alles, was er tut, ist durch Text durchzogen. Drehe es man wie es wolle, Menschen tun bei jedweder Tätigkeit auch dieses eine mit: Texte erfassen, umwandeln, interpretieren, verhandeln, überliefern. Das ist keine neue aufregende Metapher, sondern eine allem Pathos entzogene Tatsache.