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Willkommen auf der Homepage von Francesc Hervada-Sala.
Universaltext 1.2
Es ist mir eine Freude, den Universaltext Interpreter in seiner neuen Version 1.2 anzukündigen. Es waren zwei Wochen mit dem Feuer der frischen Idee und zwei lange Monate von Ausreifung und Fehlerbehebung, die dem Programm eine eigene Skriptsprache und eine interaktive Shell eingebracht haben.
Anstatt sich unbedingt mit Perl für jede Textabfrage und Umformung beschäftigen zu müssen, lassen sich jetzt übliche Aufgaben mit einem kleinen Skript erledigen. Beispiel für die Erstellung einer einfachen Website:
read miniweb.utl
select website.webpage do \
save [u].html \
begin
out begin
<html>
<head>
<title>[v title]</title>
</head>
<body>
end
select content.? do out <[u.type]>[v]</[u.type]>
out begin
</body>
</html>
end
end
Das ist um einiges kürzer und übersichtlicher als das bisher nötige Perl-Skript, die dieselbe Funktion erfüllt.
Den großen Unterschied macht hier die interaktive Shell, über die jetzt der Universaltext Interpreter verfügt. Man kann in einer Sitzung an der Konsole nun Skriptbefehle ausführen lassen und die Antworten unmittelbar erhalten, was ein ganz anderes Erlebnis als die bisherige mittelbare Vorgehensweise hervorbringt.
Die Software herunterladen und das Handbuch nachlesen kann man auf dieser Seite (auf Englisch):
Ästhetische Eklektiker
Diese zwei Sätze — diese zwei langen, reichhaltigen und präzisen, begeisterten und begeisternden Sätze, wie man sie heute nicht mehr baut — muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. So schrieb Jean Paul gegen 1813 in der Vorschule der Ästhetik, 2. Ausg., zitiert aus den sämtlichen Werken bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt, 2001, Abt. 1, Band 5, §4, S. 14:
Im Programme über das Romantische (§ 2.3) nahm ich besondere Rücksicht, wiederlegende und aufnehmende, auf Bouterweks treffliche Geschichte der Künste und Wissenschaften etc. etc., ein Werk, das durch eine so vielseitige Gelehrsamkeit und durch einen so vielseitigen Geschmack — so wie desselben Apodiktik durch philosophischen Geist und schöne Darstellgabe — noch immer auf ein größeres Lob Anspruch machen darf, als es schon erhalten. Wenn man einer Vielseitigkeit des Geschmacks in diesen absprechenden insularischen Zeiten, worin jeder als ein vulkanisches Eiland leuchten will, gedenkt: so werden Erinnerungen an jene schönere erfreulich und labend, wo man noch wie festes grünes Land zusammenhing, wo ein Lessing Augen, wie später Herder, Goethe, Wieland Augen und Ohren für Schönheiten jeder Art offen hatten. Ästhetische Eklektiker sind in dem Grade gut, in welchem philosophische schlecht.
Sag mal
Wenn man will, dass der Rechner dies oder jenes tut, muss man wissen, wie man es ihm mitteilen kann. Es ist keine handwerkliche oder sonstige Fertigkeit nötig, es geht nur darum, eine Sprache einzusetzen, die der Rechner so interpretieren kann. Nun ist dies aber nichts Merkwürdiges, und unsere Aussagen werden nicht vom Rechner in etwas anderes übertragen, um es zu verarbeiten, sondern, was wir machen ist grundsätzlich, einen Text herzustellen, der vom Rechner verarbeitet wird. Denn ein Rechner ist eine Text-verarbeitende Maschine — und sonst nichts.
So stellt sich der Unterschied heraus zwischen den mainstream, metaphorischen Betriebssystemen und den Unix-artigen. In den metaphorischen Systemen ist die Verkehrssprache keine verbale, sondern eine bildliche. Man benennt und befiehlt nicht mit einem Substantiv oder einem Verb, sonden zeigt an mit der Maus und klickt sich durch bidimensionale Oberflächen durch. Das macht diese Systeme unmittelbar und ohne Vorkenntnisse einsetzbar, setzt ihnen aber auch unüberwindbare Grenzen. Es ist sicherlich ganz nützlich, wenn man in einem unbekannten Land auf der andere Seite des Planets strandet, sich mit Gebärden verständlich machen zu können, um nach Essen oder Schlafmöglichkeit zu fragen. Das hat aber natürlich nichts zu tun mit dem, was man erlebt, wenn man die Sprache seiner Umgebung beherrscht.
Das Tückische an den metaphorischen Systemen ist, dass sie die Weiterentwicklung des Benutzers hemmen. Wer als Kind keine verbale Sprache, sondern nur mit dem Finger zeigen und Grimassen machen lernt, wird sein Leben lang ein intellektuell unterentwickeltes Dasein führen. In solchen Systemen glaubt der Benutzer, dass bestimmte Funktionen sich in bestimmten Orten befinden, man stellt sie sich physikalisch vor, man behält Wege und Handlungen im Gedächtnis. Das ist nicht weiter schlimm für eine oberflächliche, gelegentliche Beschäftigung mit dem System, aber ein großes Hindernis, wenn es um eine anspruchsvollere Benutzung gibt. Zum Beispiel haben die vorherrschenden metaphorischen Systeme bereits viel Schaden im Bereich der Softwareentwicklung angerichtet. Die mainstream Programmierer, die zum Beispiel mit Java oder Microsoft Systeme arbeiten, haben jedes Verständis für die Textualität der Software — d.h. für das Wesen der Software — verloren, und führen ein beschränktes Dasein im Gefägnis seiner bildlichen Sprache, die an die Scholle der physikalisch-ähnlichen „Objekten” gebunden bleibt.
Systematische Philosophie
Der Wert der systematischen Philosophie liegt nicht daran, eine Erklärung für alles zu liefern, denn dies ist billig, sondern ein Prinzip herzustellen, das alles strukturiert. Die Vielfalt der Anwendungsgebiete erhöht den Wert des Prinzips, wenn er für alles angemessen ist. Wenn man heutzutage alle systematische Philosophie missbilligt, so nicht deshalb, weil man eine bessere hätte, sondern weil man darin nur die Peripherie sieht und sich mit der Atmosphäre und den Details ablenkt, ohne das darunter liegende Prinzip, das alles integriert, überhaupt wahrzunehmen. Denn in anderen Zeiten können wir uns heute gar nicht einfühlen, und so tief hinein können wir heute gar nicht eindringen.
Integrale Auffassung der Software als Text
Das Schöne an der Auffassung der Software als Text ist, dass sie eine integrale Lösung bietet. In einer relationalen Datenbank beispielsweise stellt man zwar alle „Daten” als Relationen dar, daneben gibt es jedoch andere Datenstrukturen, die das System selbst betreffen: Es gibt Tabellen und Felder, Prozeduren und Funktionen, die selbst nicht relational definiert werden — man fügt ja nicht mit INSERT eine Spalte in eine Tabelle hinzu, man erhält nicht Auskunft über existierende Tabellen mit SELECT, etc. Außerdem plant hier wie sonst in der Software überall und jedoch unbeobachtet das Lexikalische. Man identifiziert in einer Datenbank alle Objekte durch „Namen”, nur in der üblichen armseligen Art: Man muss jedem Objekt genau einen Namen geben, der für alle gilt, und zwar auch schon bei der Erstellung des Objekts, einen eindeutigen Namen, der nachträglich nicht mehr zu ändern ist, ohne alle darauf zugreiffenden Anwendungen aufwändig und fehleranfähig anzupassen. Wenn man begreift, dass die Software grundsätzlich Text ist, vereint man alles unter einem Dach. Die Tabellen und Spalten können beschrieben werden, man kann dafür verschiedene Sprachen einsetzen, durch Syntaxanalyse wird daraus aber nichts anderes als eine bestimmte Textstruktur. Die enthaltenen Daten bestehen auch in Text, so kann man die Datenstrukturen wie deren Inhalt mit einer einzigen Informationsstruktur, den Text, ausdrücken. Das ist übrigens dasselbe, was man beim Sprechen, oder wie hier beim Schreiben, tut: mit Worten kann man alles auf einheitlicher Weise ansprechen. Nur ist diese selbstverständliche Einsicht bisher der Informatik entgangen.
Programmiersprache vs. System
Dass das Verständnis von Sprache in den letzten Jahrzehnten rückläufig ist, erkennt man auch daran, dass die Neuerungen in den Programmiersprachen nicht so sehr den Ausdruck von Programmen, sondern vor allem die Laufzeitumgebung betreffen. Man entwickelt eigentlich nicht Sprachen, sondern Systeme. Jede Programmiersprache ist unzertrennbar von Laufzeitbibliotheken, die im Grunde Erweiterungen des Betriebssystems, wenn nicht eine ganze virtuelle Maschine sind. Mit anderen Worten, man ist auf die Semantik fixiert und vernachlässigt Syntax und Morphologie.
Framework vs. Sprache
Während die siebziger Jahre die Zeit der Programmiersprachen war — siehe nur Pascal und C, um Beispiele zu nennen, die durch akademische bzw. ingenieursmäßige Arbeit entstanden —, erleben wir jetzt ein Jahrzent der sprachlichen Fantasielosigkeit. Vergleiche man nur das fade PHP mit dem witzigen Perl oder das baroque Java mit dem schlichten C. Dass die Sprachen uns den Ausdruck erleichtern können, hat man inzwischen verlernt. Neuere Sprachen zeichnen sich durch ihre Verbosität und Unflexibilität aus. Einfachste, häufigste Sachverhalte bedürfen weitschweifiger Ausdrücke. Man liegt mehr Wert auf die Einfachheit des Bauens als auf die des Einsetzens der Compiler — im Übrigen eins der typischen Merkmale unserer heutigen Dummkopfprogrammierer.
Der Mangel an sprachlichen Mitteln führt zum Bedarf von Frameworks. Heute steht das Wort in aller Munde, als wären sie aller Probleme Lösung, und doch sind sie nur Symptom sprachlicher Schwäche. Da man Häuser nur müselig und händisch bauen kann, baut man sich vorgefertigte Gebäude. Doch dadurch erschaffen wir nur geradelinige Mammutsoftware mit einem engen Horitzont und beschränkter Anpassungsfähigkeit, die alle Wendigkeit einbüßt, ganz zu Schweigen davon, dass dadurch jeder architektonische Reichtum auf der Strecke bleibt und nur öde Landschaften entstehen.
Software als Text
Die aktuelle Software besteht größenteils aus in sich geschlossenen Anwendungen, die ihre Daten selbst verwalten. Es gibt beispielsweise Datenbanken, die es ermöglichen, Informationen zu sammeln, aufzubewahren und gezielt abzufragen. Es gibt auch Tabellenkalkulationen, mit denen man sowohl komplizierte verkettete Berechnungen anstellen wie auch Listen von Überschriften erstellen kann. Es gibt eine andere Sorte von Anwendung, die man Textverarbeitungssoftware nennt, mit der man Schriften verfasst. Datenbanken, Tabellenkalkulationen und Textverarbeitungsprogramme sind im Grunde verschiedene Werkzeuge zur Verarbeitung von Schriftsprache. Man könnte mit Bleistift und Papier Schriftstücke produzieren, auf denen man das aufschreibt, was man sonst in den Computer eingibt, und man könnte händisch die Informationen daraus holen. Die Effizienz wäre eine ganz andere als mit Computern, aber das Ergebnis identisch. Es käme jedoch keiner auf die groteske Idee, verschiedene Schriftsysteme einzusetzen, je nach dem, was man erwartet, später daraus holen zu wollen. Man würde einfach mit ein und demselben Alphabet, auf derselben Unterlage und mit denselben Werkzeugen alle Informationen aufschreiben, die man erhält, und würde später die benötigten Teilinformationen daraus holen. Und doch folgt die aktuelle Software dem grotesken Ansatz: Wenn ich später mal die Information abfragen will, dann muss ich sie zuerst in eine Datenbank erfassen, dann kann ich jedoch weder daraus Listen noch Schriften erstellen. Wenn ich eine Schrift verfasse, kann ich sie nicht gezielt abfragen. Natürlich braucht man solche Wechselwirkungen, und dafür muss man neue Spezialprogramme entwickeln, die Brücken zwischen den Anwendungen schlagen. Das sind Punkt zu Punkt Schnittstellen, deren Programmierungsaufwand zur Folge hat, dass sie für viele Kombinationen von Anwendungen fehlen.
Mit einer Software, mit der man jeden beliebigen Text erfassen kann — siehe dazu den experimentalen Universaltext —, eröffnet sich die Möglichkeit, zu integrierten Softwaresystemen zu kommen, in denen das Betriebssystem für den ganzen Text und die speziellen Anwendungen für ihre Darstellung und Verarbeitung zuständig sind. Die Dateneingabe über eine Datenbankanwendung führte nicht zur Speicherung von gesonderten Dateien, sondern zur Speicherung von bestimmten Textstrukturen durch das Betriebssystem. Diese Daten könnten später auch in ein Kalkulationsblatt dargestellt und bearbeitet werden — und zwar ohne eine „Schnittstelle” zu benötigen. Man könnte zuerst eine Schrift verfassen und sie nach und nach strukturieren, womit man sie mehr und mehr mit SQL abfragen kann.
Doch nicht nur hier, wo es offensichtlich ist, dass man es nur mit Schriften zu tun hat, greift das Prinzip des Textes ein. Denn nicht nur Schriften, sondern auch alles andere, was man mit Software bearbeiten kann, ist Text. Menschen erfahren sicherlich die Musik und die Bilder, die ein Rechner hervorbringt, nicht als Text, doch der Rechner kann solche Phänomene nur dann behandeln, wenn sie digitalisiert, d.h. als Text erfasst worden sind. Ein Zeichenprogramm kann beispielsweise Figuren an bestimmten Positionen und mit bestimmter Größe und Farbe darstellen, intern gibt es jedoch eine textuelle Struktur, die man versprachlichen könnte, und die der Programmierer tatsächlich mit einer Programmiersprache auch versprachlicht. Einige Zeichenprogramme verfügen über sprachliche Befehle, die über eine Konsole das Erstellen und Bearbeiten von Zeichnungen ermöglichen. Hier gibt es eine einzige Textstruktur mit verschiedenen Darstellungen: der graphischen Darstellung und der formalsprachlichen Benutzerschnittstelle.
Wesen des Computers
Es gibt einige sehr verbreitete Irrtümer rund um das, was den Computer ausmacht.
Ein Computer ist keine Universalmaschine. Man verwechselt hier den Nutzen des Geräts mit seiner Beschaffenheit. Ein Auto nennt man schließlich auch nicht eine Universalmaschine, obwohl ich mit dem Auto zu einem wissenschaftlichen Kongress oder zu meiner Tante fahren, meinen Beruf ausüben oder mich in Urlaub erholen kann. Niemand würde auf die Idee kommen, Bleistift und Papier etwas Universales zu nennen, hier trennt man problemlos die Realität des Schreibens und Aufbewahrens der Schriften von den verschiedenen Anwendungen, schreibend kann ich Liebe, Krieg, Kunst, Wissenschaft und viel mehr betreiben. Genauso ist es mit den Computern. Sicher setzt man sie zu vielen verschiedenen Zwecken ein, doch der Computer als Maschine tut immer nur eins, nämlich Text erfassen, aufbewahren und umformen. Ein Computer ist auch keine Informationsmaschine, Text ist real, Information nur eine Interpretation von etwas.
Ein Computer ist kein elektronsiches Gehirn. Ein Computer verarbeitet keine Ideen oder Begriffe, er denkt nicht, er manipuliert bloße Texte. Wir Menschen können den Text auch geistig erfahren, wir können ihn mental auffassen und ändern, der Text an sich ist jedoch keine geistige Erscheinung und existiert auch außer uns. Der Computer verarbeitet Text durch Elektronik und nicht durch einen Geist. Auch ist ein Gehirn kein biologischer Computer, unser Denken ist keine textmäßige, sondern eine ideenmäßige Tätigkeit. Das Rationale steht nicht am Grunde unseren Tuns, sondern eventuell am Ende. Wir sind intuitive Wesen durch und durch, nur die Spezies — nicht das Individuum — entfaltet allmählich über Jahrtausende das, was man Rationalität nennt.
Text-orientierung als Softwareparadigma
Das text-orientierte Paradigma entsteht natürlicherweise aus der Einsicht, dass die Rechner wesentlich text-verarbeitende Maschinen sind und die Software wesentlich Text ist. Die anderen Paradigmen wie das funktionale oder objekt-orientierte stellen jeweils eine bestimmte Softwarearchitektur dar. Man organisiert die Software über einen Kern, der etwa Funktionen oder Objekte zur Verfügung stellt. Die Text-orientierung ist hingegen ein Architektur-neutrales Paradigma. Sie bestimmt keine zu implementierende Grundtypen, die in jeder Anwendung einzusetzen sind. Sie bestimmt einen einzigen Grundtyp, den Text, der aber die Spezifikation der Software und nicht deren Implementation betrifft. In der Text-orientierung geht es nicht um einen mehr oder minder erfolgreichen Ansatz, wie man die Software organisieren kann, sondern darum, was die Software wesentlich, unumgänglich ist. Den Unterschied sieht man wohl deutlich, wenn man es so ausdrückt: Die Objektorientierung sagt, programmiere so, dass die Software aus Objekten besteht — das kann man so machen, muss man aber nicht; die Textorientierung sagt, wenn du programmierst, erstellst du einen Text — das ist einfach so, ob man es realisiert oder ignoriert.
Natürlich ist hier das Spannende die Frage, was eigentlich ein Text sei. Solange man den Text wie üblich als eine bloße Zeichenkette auffasst, kommt man nicht sehr weit. Der richtige Textbegriff begnügt sich nicht mit der äußerlichen Form der Ausdrücke, sondern erfasst deren innerliche Form, also das, was man Morphologie und Syntax nennt. Dann erst entpuppt sich die Behauptung, Software sei Text, nicht als eine banale und fruchtlose Aussage, sondern als ein tiefes und produktives Prinzip.
Meinungsforschung
Das Drama der heutigen philosophischen Fakultäten ist, dass sie im hin und her Pendeln zwischen der Meinungsforschung und der Meinungsbildung sich fruchtlos die Kräfte zerreißen. In der Öffentlichkeit treten diejenigen, die den Beruf eines Philosophieprofessors ausüben, als Philosophen und als Wissenschaftler auf. Da wollen alle automatisch — nicht aus eigener Leistung — sowohl als Künstler wie auch als Kritiker auftreten, als Ingenieure und Physiker, als kreative und theoretische Köpfe zugleich. Und ihre Leistung ist in beiderlei Hinsicht armselig.
Die wissenschaftliche Forschung von historischen Meinungen und das bilden einer eigenen Meinung sind zwei grundverschiedene Tätigkeiten, zwei andersartige Begabungen, die isoliert schon selten und zusammen fast nie in einem einzelnen Menschen anzutreffen sind. Noch schlechter steht aber die philosophische Fakultät deshalb da, weil es in Philosophie gar nicht um Meinungen geht, sondern um Ideen. Ideen sind keine ausformulierten Sätze, die man zustimmen oder verneinen kann, sondern reiche, tiefe Sinnzusammenhänge. Der heutigen philosophischen Wissenschaft fehlt absolut an geistigem Reichtum und Tiefe, eben deshalb, weil sie auf seichte „Meinungen” angeheftet bleibt. Erst wenn die Wissenschaft den Weg der Ideen einschlägt und sich darin vertieft, wird sie vorankommen und nützliche Ergebnisse zu Tage fördern. Wenn es so weit ist, wird es auch sonnenklar sein, dass die kreative Ideenentwicklung gar keine wissenschaftliche Tätigkeit sein kann.
Wissenschaft und Verstehen (2)
Wissenschaft und Verstehen sind miteinander orthogonal, weil sie jeweils in Text und in Ideen bestehen, die miteinander orthogonal sind. Die menschliche Anlage zu entfalten heißt, in beide Richtungen fortzuschreiten. Nicht, indem man zuerst beide in einem grauen Einerlei vermischt und dann in diese einzige Richtung weitergeht — so wie man es heute tut —, sondern, indem man beiden senkrechten Richtungen folgt, jede für sich, und dazu in einem dialektischen Prozess die eine die jeweils andere bereichert.
Trauriges Web
Das Web macht kulturmäßig einen desolaten Eindruck, Geist und Kultur sucht man hier vergebens. Die Frage wirft sich auf, ob das daran liegt, dass es heute gar keinen Geist und keine Kultur mehr gibt, die lebendig sind, und nur noch die Leute, die dafür bezahlt werden, etwas in die Richtung tun, oder ob es daran liegt, dass das Web die Frage der Autorenrechte nicht gelöst hat, und deshalb hier nur Spontanes und Banales veröffentlicht wird, jedoch keine relevanten Inhalte, die einen Marktwert im Printbereich und nur dort haben.
Wahrscheinlich trifft beides zu. Im Vergleich mit Sport, Musik und anderen Kulturerscheinungen ist die gebildete geistige Tätigkeit eine aussterbende Spezies. Sicher gibt es in Musik und Sport die erstrangigen Vertreter, die einen hohen Marktwert haben und nur gegen Bezahlung zu genießen sind. Doch darunter wimmelt es nur von Schichten von Leuten, die das aus reiner Herzenslust tun. In gebildeten philosophischen und literarischen Fragen bleibt uns heute nur eine vermeintliche Elite übrig, die allein aus der Trägheit des Marktes weiter besteht, es fehlt jedoch an der frischen, lebendigen, spontanen Basis.
Mir ist es unbegreiflich, wie das Web so totlangweilig ist. Wo ist der Geist von einst geblieben?, wo sind die Leser Herders, Schillers und Goethes, wo sind die Leser von Voltaire, Hume und Rousseau, wo die, die mit Kant mitdenken und sich mit Hegel begeistern? Gibt es denn niemanden mehr, dessen Geist noch damit mitschwingt, der noch etwas Grundsätzliches zu untersuchen, der noch ein universales Ideal zu verkünden, noch eine tiefere Wissenschaft anzustreben hat? Das ist keine Frage der Autorenrechte, da ist es einfach die Bildung, die Ruhe und Konzentration und der Wille, was uns fehlt.
Wissenschaft und Verstehen
Weder schafft Wissenschaft Verstehen noch setzt Wissenschaft Verstehen voraus. Aus den Erkenntnissen Verständnis zu ziehen, wie auch aus dem Verständnis Erkenntnisse zu ziehen, ist keine wissenschaftliche Tätigkeit. Wer glaubt, die Wissenschaft bestätigt sein Verstehen, der täuscht sich. Genauso täuscht sich der, der glaubt, das Verstehen sei eine Voraussetzung für die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die wissenschaftliche Tätigkeit stellt Thesen auf und prüft sie. Eine These hält man für wahr an sich, unabhängig davon, wie sie zu Stande gekommen ist. Man prüft und ggf. akzeptiert sie. Eine Theorie kann aus zufälliger Weise entstehen, das vermindert ihren Wert nicht. Eine Theorie kann auch aus automatischer Weise enstehen, beispielsweise kann man ein Computerprogramm entwerfen, das per brute force zu einer gültigen These kommt. Keiner der beteiligten Wissenschaftler versteht hier die Theorie. Diese Tatsache macht jedoch aus solcher Theorie epistemologisch keineswegs etwas Anderes als Theorien, bei denen das Verstehen der Wissenschaftler maßgeblich an der Entstehung beteiligt war.
Umständliche Softwaretechnik
Die aktuelle Softwarelandschaft zeichnet sich durch eine Unmenge verschiedener kleinen Reiche aus, in etwa so wie das mittelalterliche Europa. Autobahnen, Schnellzüge? Fehlanzeige. Man muss selbst laufen und höchstens einem Esel das Gepäck anvertrauen, alle wenige Kilometer sich mit einem Fluß oder einem Berg auseinandersetzen, alle wenige Wochen Lauf eine andere Verkehrssprache einsetzen. Die Programmierarbeit, die heute geleistet wird, besteht größtenteils darin, Schnittstellen zu bilden. Das fängt mit Datenübertragung zwischen entfernten Systemen an und hört mit der Übergabe von Parametern zwischen Prozeduraufrufen auf. Da nichts mit nichts anderem zusammenpasst, muss man alle Verbindungen händisch anpassen. Das könnten wir den Zoll der Dummheit nennen. Wenn man ungeplant loslegt, muss man häufig viel länger laufen, wenn man unüberlegt agiert, muss man viel mehr Arbeit leisten, als es nötig gewesen wäre, und die meiste Energie geht an alltägliche Banalitäten verloren. Die Dummheit der heutigen Informatik führt zu einer extrem umständlichen, aufwändigen und fehleranfälligen Softwareentwicklung. Vor allem besteht die Dummheit darin, der Schlichtheit keinen höhen Stellenwert beizumessen, sie nicht als Ziel zu verfolgen und sie nicht zu erkennen und anzupreisen, wenn sie einmal erscheint. Man findet sich mit der unnötigen Komplexität ab, man kennt es ja sonst nicht anders. Das Blöde an den Dummen ist nur, dass sie so viele sind und so laut.
Orthogonalität von Text und Idee
Text hat nichts von Idee und Idee hat nichts von Text. Idee ist die innere Erfahrung des Individuums, die grundsätzlich auf ihn und die Gegenwart beschränkt bleibt. Text ist ein Gebilde, das aus Symbolen besteht, die in einem Ganzen artikuliert sind. Anders als die Idee existiert der Text außerhalb der menschlichen Erfahrung, so wirkt sich beispielsweise das Naturgesetz der Schwerkraft auch in entlegenen Galaxien und vor Milliarden von Jahren. Die Menschen können Texte erfassen, dabei entsteht aber ein Verständnis, das anders als die Ideen bei allen Menschen grundsätzlich genau gleich ist. Während die Ideen auf jeweils das Einzelne beschränkt bleiben, werden die Texte zwischenmenschlich geteilt. Textverständnis ist das, was die Menschen einigt, während die Ideen das sind, was die Menschen entzweit. Textverständnis ist auch das, was die Menschen vor anderen Lebewesen auszeichnet: Tiere wie Elefanten und Delphine haben offenbar Ideen, nur ist kein Tier bekannt, das Texte erfassen kann. Die hiesigen Grundbegriffe der Text und der Idee sind orthogonal. Das macht sie viel bessere Grundbegriffe als herkömmliche Alternativen wie: Materie, Struktur, Information, Geist. Jeder von diesen Begriffen vermischt das, was unübertragbare Erfahrung ist, mit dem, was intersubjektiv geteilt wird. Jeder von diesen Begriffen hat viel von Abstraktion und Idealisierung, während Text und Idee sachlich und nüchtern bleiben. Kein Mensch hat je eine „Materie”, eine „Struktur” oder eine „Information” gesehen, reale einzelne Texte und reale einzelne Ideen hingegen schon.
Geistes- und Naturwissenschaften
Die Diskussion über Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Geistes- und Naturwissenschaften ist viel zu viel durch gesellschaftliche Umstände geprägt. Man akzeptiert sie wie sie jetzt sind, als wären schon beide ans Ziel angekommen und könnte oder sollte man an ihnen nichts mehr ändern. Und doch ist es bei beiden Parteien unter ausschließlich wissenschaftlichen Gesichtspunkten ganz anders bestellt: Die Reife, Stabilität und Selbstkritik der gegenwärtigen Naturwissenschaften steht in scharfem Kontrast mit der fruchtlosen, selbstgerechten, oberflächlichen Geschäftigkeit der Geisteswissenschaften. Während die einen in den letzten Jahrhunderten ihren Weg gefunden und das Angesicht der Welt verändert haben, laufen die anderen nur im Kreise ohne irgendwelche Ergebnisse zu erzielen. Wenn man sie beide vergleicht, darf man es nicht einfach so bei deren Selbstbehauptung belassen. Die herkömmliche Auffassung, in den Geisteswissenschaften gehe es um das Sinnverstehen, soll man nicht einfach so hinnehmen, denn eben sie ist für die Ergebnislosigkeit dieser Disziplinen verantwortlich. Es ist ein grundlegender Irrtum zu glauben, dass die Suche nach einem Sinn eine Wissenschaft hervorbringen kann. Erst wenn man realisiert, dass der Sinn die Menschen nicht einigt und dass die Suche nach dem Sinn eine kulturelle, freie, vielfältige, wissenschaftlich untaugliche Tätigkeit ist, wird man anfangen können, ernste Geisteswissenschaft zu betreiben.
Diglossie in Deutschland
Vor einigen Jahren empfand ich es nur als lächerlich, wenn die Deutsche Bahn mit völlig unnötigen englischen Begriffen ihre „services” versah. Ich halte es noch immer für lächerlich, wenn man zu Werbe- oder Profilierungszwecken mit englischen Vokabeln herumstolziert. Ich finde dies nicht „cool”, nur blöd. Anlässlich der Ankunft der ersten Airbus A380 Maschine am Frankfurter Flughafen lief neulich auf HR Fernsehen eine Sendung, in der Angestellte und Leiter der Lufthansa zu Worte kamen. Die englische Sprache hat in der Lufthansa spürbar den Vorrang, und zwar in allen Bereichen, von den Produkten, die sie anbieten, über die Geräte und Prozesse im Cockpit, bis die interne Struktur der Firma, für alles haben die Betroffenen englische Worte und offenbar überhaupt keine deutschen mehr. Da überkommt einem der Gedanke, dass hier eine richtige Diglossie stattfindet, und zwar mit funktionaler Spezialisierung, wo das Englische für die professionellen Zwecke eingesetz und das Deutsche auf den persönlichen Umgang beschränkt ist. Die Lufthansa als Spitzenreiter zeigt, wohin die ganze Gesellschaft geht. Die Diglossie wird uns mehr und mehr umgeben. Die Hochdeutsche Sprache, die vor drei Jahrhunderten eine für Wissenschaft und Philosophie noch unreife Sprache war, die einhundert Jahre später zu einer Weltsprache der Denker und Dichter wuchs, verkommt in diesem Jahrhundert zu bloßer Sprache des unmittelbaren Umfeldes, schrumpft sich zu einem Dialekt zurück. Die Wertvorstellungen, die zur Hochsprache führten und die diese wiederum verstärkt — der Wert der Bildung und des geistigen Reichtums, der Wert der Sachlichkeit, der Sinn für Recht — werden gegenwärtig zusammen mit der Sprache aufgegeben. Heute wollen wir nicht mehr ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält — diesen Satz selbst versteht kaum jemand noch —, heute will jeder nur die fünf Minuten Ruhm im Leben haben.
Wissenschaft der Informatik
Die Wissenschaft der Informatik zerfällt in Fachbereiche, die sich jeweils als eine Welt für sich verstehen und in keiner Weise in einem Ganzen zusammengefügt werden. Man nennt sie „technische Informatik”, „theoretische Informatik”, „angewandte Informatik” etc. Wenn man sich die Handbücher ansieht, die den aktuellen Stand dieser Wissenschaft darstellen, steht man — um es mit Hegel auszudrücken — vor einem Aggregat isolierter Erkenntnisse, nicht vor einem System integrierter Erkenntnisse. Es handelt sich also um eine sehr oberflächliche Wissenschaft, die über den lokalen Bereich nicht hinaus wächst. Vergleiche man dies mit etwa der Physik, bei der neue grundlegende einheitliche wissenschaftliche Prinzipien im 18. Jh. zu einer Explosion des Wissens und seiner technischen Anwendung in den darauffolgenden Jahrhunderten führte. Die Wissenschaft der Informatik hinkt hingegen hinter der existierenden Computertechnik hinterher.
Nicht nur das, sie schafft nicht einmal ein vertieftes Bewusstsein über das, was die Technik schon geleistet hat. Nehmen wir zum Beispiel das relationale Datenbankmodel. Die Wissenschaft redet das Phänomen klein, indem es der Schublade „Anwendungen” unterordnet. Dabei sollte das Studium dieses Models und seiner Umsetzung von der Wissenschaft als Ganzes ernst genommen werden, und zwar nicht wegen der Datenbanken an sich, was ja eine besondere Anwendung ist, sondern wegen des Erfolges eines mathematischen Models für die Anwendungsentwicklung. Das relationale Model zeigt, dass die semantische Vertiefung durch mathematische Modelierung und deren sprachliche Umsetzung zu unvergleichbar mächtigen Softwaresystemen führt. Vergleiche man nur die Produktivität beim Schreiben von Abfragen mit SQL mit dem Entwikeln von einer Benutzerschnittstelle mit C++. Im ersten Fall verfügt man über eine Sprache, mit der man die gewünschte Information gezielt erfragen kann, im zweiten Fall verfügt man eben nicht über eine Sprache, mit der man das Aussehen und Interaktion der Steuerelemente bestimmen kann, sondern über eine völlig ungeeignete und der Sache fremde Sprache, mit der man lange schreiben und alle Einzelheiten bis ins kleinste Detail bestimmen muss. Die Wissenschaft sollte sich über diese Tatsache wundern und die darunterliegenden Sprachen und semantischen Modele untersuchen. Dies würde das Verständnis dieser Phänomene vertiefen und nach neuer Experimentierung zu ähnlich mächtigen Systemen in andere Bereiche, gar in der Informatik überhaupt, führen.
Bild- und Symboltechnik
Harald Haarmann stellt in seiner reichhaltigen und gut fundierten Universalgeschichte der Schrift (Campus Verlag, 2. durchges. Aufl., 1991, S. 141-142) eine interessante These auf:
Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß bei der Entstehung von Schriftsystemen die gleichen Fähigkeiten des Menschen zum Tragen kommen, die bei der Verwendung von Zeichensystemen im allgemeinen eine wichtige Rolle spielen. Unabhängig davon, ob es sich um sprachunabhängige oder sprachgebundene Zeichensysteme handelt, der Mensch muß bei ihrer Benutzung zwei seiner Grundfähigkeiten einsetzen. Diese bereits im ersten Kapitel erwähnten Fähigkeiten sind die Bildtechnik, d. h. die Kapazität, den Informationsgehalt einer Abbildung als mit einem konkreten Objekt der Umwelt identisch zu erkennen, und die Symboltechnik, die den Menschen befähigt, begriffliche Inhalte mit abstrakten Zeichen zu assoziieren, und zwar ohne jegliche Beziehung zum Bildmaterial der Umwelt.
Haarmann stellt hier heraus, dass die Schrift eine Technik ist, durch die symbolische Gebilde dargestellt werden. Das ist richtig, muss aber verallgemeinert werden. Dasselbe gilt auch für die mündliche Sprache, wobei es hier nicht um das Wiedererkennen von Bildern, sondern von Lauten geht. Die symbolische Fähigkeit des Menschen besteht darin, artikulierte symbolische Gebilde, von uns Texte genannt, zu erfassen. Die Texte können nicht nur einmal aufgebaut werden, sondern auch transformiert, so ist die Mathematik das Studium der Äquivalenten Textformen, die Wissenschaft der Aufbau eines allumfassenden deskriptiven Textes, die Algorithmik die rein formale Transformation von Texten, und die Computertechnik die maschinelle Bearbeitung und Speicherung von Texten. Siehe zur geimeinsamen Grundlage all dieser Phänomene das unten erwähnte Essay Information Ages.
Information Ages
M. E. Hobart und Z. S. Schiffman haben ein sehr interessantes Essay geschrieben: Information Ages. Literacy, Numeracy, and the Computer Revolution (The John Hopkins University Press, 2000). Sie schildern die Entwicklung der letzten fünf Jahrtausende, von den ersten Schriftsystemen (erst bildlich, dann silbisch und alphabetisch) über die antique und mittelalterliche Wissenschaft und den Buchdruck mit beweglichen Lettern bis zu den aktuellen Computeralgorithmen, die nicht nur die Rechner steuern, sondern auch wissenschaftliche Theorien artikulieren. Indem hier Buch, Schrift, Mathematik und Algorithmik nicht als verschiedene Phänomene, sondern als verschiedene Erscheinungen eines gemeinsamen tieferen Phänomens aufgefasst werden, entspricht diese Untersuchung genau meiner Auffassung und liefert ihr einen gutfundierten Beleg. Nur bleibt man hier leider am herkömmlichen, heute allgegenwärtigen Missbegriff der Information gefesselt, dessen ideologische Ladung die Augen für die nüchterne, unspektakuläre Realität des Textes schließt.
Menschliche Sprache
Das, was die menschliche Sprache von den Sprachen der Tiere unterscheidet, ist, dass sie auf Text basiert. Die Bienen, die Hunde und die Delphine kommunizieren mit Artgenossen und fremden Arten. Bei der Kommunikation gibt es einen Austausch von Symbolen: Eine Nachricht, etwa „Feind nähert sich” oder „ich freue mich” wird auf ein Symbol zurückgeführt, das Symbol wird von einem Individuum in eine physikalische Darstellung gebracht, die Darstellung wird physikalisch übermittelt und von einem anderen Individuum wahrgenommen und wieder zum Symbol synthetisiert. Die Sprache, der Tiere wie der Menschen, ist symbolisch. Doch die menschliche Sprache bleibt nicht bei isolierten Symbolen, sondern artikuliert diese in eine größere symbolische Einheit — der Mensch erkennt nicht nur einzelne Symbole, sondern erfasst eine logische Struktur, die die Symbole miteinander bilden: den Text.
Metaphorische Betriebssysteme
Die mainstream Betriebssysteme, und zwar alle, sind stolz auf ihre „Metaphern”, auf ihre Kommunikation über Bilder und Analogien. Das zeigt nur die unentwickelte Mentalität, die dahinter steckt. Wer will schon lalen, wenn er sich deutlich artikulieren kann? Wer will schon mit einer bildlichen Sprache andeuten müssen, wenn er mit Logos erfassen kann? Mit diesen Systemen kann man nicht nur lalen, sondern muss man auch. Die Sprache ist uns hier verschlagen. Das ist kein Fortschritt, sondern der Rückschritt in eine weit vergangene Barbarei.
C
Die Programmiersprache C ist nach wie vor unübertroffen. Ihre heutigen Nachzügler sind Luxuskarrossen, die den Insassen aus der Realität entziehen und in eine Traumwelt versetzen. C ist hingegen knapp, sachlich und genau. Sie täuscht keine abstrakte Welt aus Objekten oder Funktionen oder Listen oder was auch immer vor, sondern gibt Zugang zur realen Welt einer Von-Neumann-Architektur mit einer generalisierten Maschinensprache. In den letzten Jahren blasen wir nur den goldenen Käfig immer weiter auf. Zu den Würzeln sollten wir zurückkehren, aus C wieder schöpfen, ihre mehrfachen, inzwischen verlorengegangenen Ansätze wieder aufnehmen und vertiefen.
Größter Wunsch
Desideratum summum wäre — empfinde ich jetzt — in einer Zeit zu wohnen, die auf Wirklichkeit und Geist den größten Wert legte, so wie man es in den besten Jahren der Aufklärung erlebt hat. Ach — würden die Menschen so wie vor zwei Jahrhunderten den eigenen sozialen Fortschritt mit der eigenen Bildung einher gehen sehen, täten sie sich zusammen, um Erfahrungen und neue Erkenntnisse auszutauschen, fänden sie das Unbekannte aufregend und bemühten sich, es zu erobern... was wären das für schöne Lebensjahre. Und doch sitzen wir hier regungslos, Luxuskinder, denen alles vergönnt ist, die jeden Tag mit der ganzen Welt reden könnten, hätten sie nur etwas zu sagen, die neue Kontinente entdecken, das Horizont ausweitern könnten, würde die Langeweile sie nicht verzehren.
Astrologie
Herr Volker H. Schendel versuchte in einem Vortrag 
(am 22. November 2008 auf dem Symposium für Astrologie in Zürich unter dem Titel „Astrologie — Königin der Wissenschaften oder Schmuddelkind der Gesellschaft — oder: Astrologie, Opfer der Wissenschaftlichen Inquisition — eine wissenschaftstheoretische Betrachtung”, erhältlich auf lulu.com) die Astrologie von den Angriffen seitens der Wissenschaft dadurch zu verteidigen, dass er der Wissenschaft die Wahrheit abspricht. Da fällt man in den Denkfehler in der entgegengesetzten Richtung: die einen glauben, die Wissenschaft habe „die Wahrheit”, die anderen glauben, die Wissenschaft sei falsch und rage über anderen Ansätzen, die das Wissen suchen, nicht heraus. Selbstverständlich ist das wissenschaftliche Wissen zu jedem Zeitpunkt falsch, denn es wird zu einem späteren Zeitpunk revidiert werden. Das macht das wissenschaftliche Wissen aber nicht zu einem willkürlichen Wissen, es ist ein gesichertes Wissen, wobei hier die „Sicherheit” mit Vorsicht zu genießen ist. Das wohlverstandene wissenschaftliche Unternehmen bildet ein Korpus aus gesammelten Erkenntnissen und aufgestellten Thesen, dieses Korpus wird dann angewendet, kritisch gesichtet und geprüft. Über dieses Korpus zu verfügen, hat einen großen Wert und gibt uns eine Art Sicherheit. Das Korpus besteht nicht aus „Vorstellungen”, sondern aus formalen Aussagen. Wenn sich Wissenschaftler aufregen und gegen das mobil machen, was sie für einen unaufgeklärten Rückgang in der Astrologie halten, dann vermitteln sie damit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern seine persönlichen Anschauungen. Wissenschaftler zu sein, ist keine Garantie für gute Anschauungen, das gibt die Wissenschaft von sich nicht aus.
Auf der andere Seite schlägt Herr Schendel jedoch vor, die Astrologie als eine Geisteswissenschaft zu betreiben. Das ist wieder der falsche Ansatz, wenn damit gemeint ist, Astrologie soll nur als Geisteswissenschaft betrieben werden. Wir sollten uns darüber im klaren werden, dass Wissenschaft nicht die einzig gültige Art ist, Wissen anzustreben. Wissenschaft ist nur eins unter anderen Ansätzen, jedoch ein ausgezeichneter, in der menschlichen logischen Fähigkeit begründeter Ansatz, der dem Menschen etwas besonderes bringen kann und soll, wenn er sauber getrennt von den anderen verfolgt wird. Doch Wissenschaft ist nicht mit Wissen gleichzusetzen und wir sollen nicht aus allem eine Wissenschaft machen wollen. Wir sollten eher darauf aus sein, die ganze Fülle der menschlichen Anlagen auszuschöpfen.
neuanfang
So. Fangen wir nochmal von vorne an. Alte Webseiten bis auf eine — die aktuelle — entfernt. Neue Projekte, neues Gefühl brauchen neue Seiten. Die Designs weggeworfen, alles aufs Minimum reduziert. Schauen wir mal, wie es weiter geht.

